Mein Fußabdruck, Nachhaltigkeit und andere Katastrophen

Verrückt… Vier Wochen vergingen wie im Flug. Vor über vier Wochen beschloss ich das Schreiben für mich. Keine instagram-Kommentare, keine whatsapp-Nachrichten, keine E-Mails, keine Briefe. Irgendwie soll es endlich anders und nachhaltiger werden. Etwas, das bleibt, im Herzen oder im Kopf, das wäre toll!
Während ich diese Worte schreibe, ereilt mich direkt und ungeschönt das Bewusstsein, wie wenig Zeit uns doch bleibt, all das zu tun, was man gern tun möchte, solange man die Ehre hat, auf dieser Erde zu leben und seinen Fußabdruck zu hinterlassen.
Ich habe ja schon ein großes Herz für unsere Erde. Wie könnte ich nicht, als ehemalige Backpackerin. Wenn ich könnte, wüsste ich sehr genau, welche Maßnahmen ich politisch durchsetzen wollte, um unsere Erde zu retten. Weniger Konsum von Billigprodukten, besseres Müllmanagement und Recycling, weniger Chemie, Reinhaltung von Wasser, weniger Waldrodung etc. pp. Wenn ich „Fußabdruck“ als Metapher nutze, dann möchte ich in meiner Idealvorstellung nur ganz sanft den Boden berühren. Gerade genug, um den zukünftigen Generationen den Weg zu weisen, wie sie liebevoll mit sich und der Umwelt umgehen sollen, sodass alle Lebewesen auch weiterhin gut auf unserem blauen Planeten leben können. – Aber was schreibe ich da! Man könnte meinen, ich verbrächte meine Zeit als „Öko“ in einer Holzhütte mit Leinenkleidung am Körper und Linsen im Topf. Nein, das mache ich nicht. Ich stecke genauso in der Konsumwelt und in der Wohlstandsgesellschaft fest wie jeder andere Durchschnittsbürger der westlichen Welt auch. Meine Wünsche an die Menschheit sind größer als die selbst gelebte Praxis. Trotzdem lässt die heutige Technik viel mehr Umwelt- und Klimaschutz zu, als die Unternehmen umsetzen und die Privatperson in seiner kleinen Sphäre erkennt.
Habe ich geschrieben „westliche Welt“? Da habe ich wohl für einen Moment die Tatsache verdrängt, dass wir uns politisch gerade vom „Westen“ verabschieden. Hier und da erklingen derzeit die Worte vom „Ende des Westens“. Ja, US-Präsident Trump hat einiges offensichtlich gemacht, was wohl schon lange – zumindest in der Wirtschaftswelt – in den Angstköpfen laut geschrien hat: Die Ressourcen der Erde werden knapp! – Guten Morgen an alle, die dachten Kohle, Metalle und Öl wachsen nach. Und wer zukünftig noch Geld machen möchte, muss sich jetzt – und zwar jetzt! – so viele Quellen sichern, wie nur möglich. Da kommt ein Konflikt um Landesgrenzen im weit entfernten Eurasien gerade recht. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das wurde uns schon in der Kindheit eingepflanzt. Nach Jahren der „Zickereien und Zankereien“ ist nun der Moment gekommen, wo endlich wieder alle die erfreuten Dritten sein wollen. Was waren schon Merkel, Obama und Berlusconi – da hat jeder doch nur auf sein Stückchen Erde geschaut. Jetzt erblühen die Wunden der Vergangenheit. Jetzt schauen wir uns mal die nie verschwundenen Schmerzen an. Jetzt wollen wir endlich mal die richtige Medizin gegen „Gierhals-Schmerzen“ nehmen: Es lebe der Neo-Kolonialismus! Jeder nimmt sich, was er braucht. Wer nicht ja sagt, wird mundtot gemacht.
Und während einige Präsidenten erkennen, dass man an Ressourcen über Druckmittel kommt (da kann man schon mal vor laufender Kamera ein würdeloses Gespräch zwischen Ukraine und USA führen), erkennen andere die Chance des großen Gewinns darin, einfach das, was noch da ist auf der Erde, so schnell wie möglich wieder – und dieses Mal noch massiver – in Waffensysteme zu investieren. Die Welt hat sich die letzten 70, 80 Jahr schließlich weitergedreht. Das hat auch ein Merz erkannt: Waffen heute sind nicht die Waffen aus dem 2. Weltkrieg. Heute hat man Drohnen und Cyberangriffe. Das klingt viiiel harmloser! Eher nach einem Spiel, was der heutigen Jugend doch gefallen müsste. Ich könnte fast vergessen, dass es die Atombombe, die uns entweder sofort erschlägt oder qualvoll an Krankheiten sterben lässt, vergessen. Man nehme einfach ein paar Milliarden Euro Steuergeld – was von den Bürgern und Unternehmern, die zum großen Teil auf ehrliche Weise gewirtschaftet haben, kommt. Man gebe dieses Geld in Rüstungsunternehmen. Man kaufe selbst ein paar Anteile in Form von Aktien. Und siehe da: Das Vermögen einzelner vervielfacht sich innerhalb weniger Jahre! – Schon haben sich ein paar geschürte Ängste vor dem bösen Russen gelohnt. Dazu kommt der positive Nebeneffekt, dass man den Umbau der Wirtschaft auf grüne Nachhaltigkeit erst einmal vom Tisch hat. Einführung von künstlicher Intelligenz, mehr Einsatz von Robotern und weniger Jobs in der konventionellen, bisherigen Industrie gefährden unsere Arbeitsplätze? Wo kommen wir hin… Die Menschen schicken wir einfach in die Rüstungsindustrie und zur Bundeswehr! Geld und Sicherheit für wenige, Beschäftigung und Ablenkung für viele. Da hat man doch zwei Fliegen mit einer Klatsche erwischt.
Ja, die Wiedereinführung der Wehrpflicht steht tatsächlich auf der Tagesordnung. Wer sich schon an den Gedanken gewöhnt hat, nie wieder was mit Krieg zu tun zu haben, dem sei gesagt, dass wir zukünftig alle wieder Menschen in der Familie haben werden, um deren Leben wir bangen müssen, während wir gemütlich zuhause auf dem Sofa sitzen. Hatte Merz sich nicht kurz nach dem Mord des Mädchens durch einen Messerangriff hingestellt und so getan, als müsste man unsere Kinder schützen? Voller Emotion sprach er vom Schutz der Bevölkerung vor kaltblütigen illegalen Migranten. Ach, was interessiert uns das Geschwätz von gestern. Die Grenzen können wir mit der SPD sowieso nicht dicht machen. Da nehmen wir doch die jungen Menschen und stellen sie an die Front, um die Rüstungsmilliarden der alten Säcke vor einem Angriff aus dem Osten der Welt zu schützen. Vielleicht bildet man auch die Menschen, die ohnehin aus dem Krieg kommen, noch besser aus. Ganz bestimmt stärkt das die innere Sicherheit! Ist man also nicht mit Arbeit beschäftigt oder selbst wehrpflichtig, darf man sich immerhin mit der Angst, Menschen zu verlieren, von Kriminellen ins Visier genommen zu werden oder von einer Bombe erwischt zu werden, auseinandersetzen. Wem das noch nicht reicht: Steigende Temperaturen sind so sicher wie die steigenden Preise. Langweilig wird’s nicht.