Wahrheit oder Pflicht? Im Alltag, zum Smartphone und beim Bundeskanzler in spe

Da sind wir wieder – nicht in der Welt der Neureichen und Plastikschönen, sondern hier in der Welt der Normalen und Realisten. Und weil ich zu den Normal-Gestressten gehöre, habe ich meine Idee der wöchentlichen Ausgabe wohl in den letzten drei Wochen noch nicht realisiert. Ich arbeite auf einen informationsreichen Wochenblog hin. Aber als (alleinerziehende) Mutter gebe ich mich am Abend eben doch auch gern der Müdigkeit geschlagen und zapfe eben nicht meine letzten Energiereserven an, um zu beweisen, was Frau nicht noch alles in 24h leisten kann. Arbeit, Haushalt, Kind, Gesundheit… Es ist wichtig, sich von seinen eigenen Wünschen und Zielen nicht unter Druck setzen zu lassen, und erst recht nicht davon, anderen etwas beweisen zu wollen. Ich bin eher ein Persönlichkeitstyp, der bockig wird, wenn jemand sagt „Du musst.“ Meine innere Rebellin zeigt sich da gern mit einem „Das werden wir ja sehen, ob ich wirklich muss.“ Da suche ich mir schon auch einmal einen Weg, dem Müssen zu entkommen und wieder in den Freiwilligkeitsmodus zu gelangen. Wir alle kennen es: Bei den täglichen Aufgaben, die das Leben so mit sich bringt, ist der Grat zwischen Pflicht und Freiwilligkeit oft extrem schmal. „Es muss halt gemacht werden!“ Ja, muss es – obwohl niemand neben mir steht und fein protokolliert, wann ich Wäsche wasche, wann ich die Küche in Ordnung bringe oder wie oft ich den Staubsauger in die Hand nehme, wie oft ich selbst koche, wie oft ich mit meinem Kind lesen übe, wie häufig ich meine Blumen gieße, ob ich regelmäßig die Bettwäsche wechsle, ob ich mein Kind immer zu seinen Hobbies fahre, ob ich Vorsorgenuntersuchungen wahrnehme, wann ich Sport treibe und und und. Neben einem Vollzeitjob noch all dem anderen „Müssen“ nachzukommen, braucht es schon einem inneren „Müssensmanager“. – Wo ist der eigentlich, wenn ich mit meinem Sohn an der Eisdiele stehe und es heißt, „Du MUSST jetzt kein Eis mitessen.“?

Vielleicht sollte ich auf meinem Smartphone eine App installieren, die mich trackt und mich auf meine gesunde Ernährung hinweist, sobald ich schlechten Gewissens an einem Café oder bei einem Imbiss stehe. Meta, also Instagram, Facebook und whatsapp, verfolgt mich sowieso schon permanent und lauscht neugierig meinen eigentlich privaten Gesprächen. Dass ich den Zugriff auf das Mikrofon ausgeschaltet habe, interessiert da nicht. Meta findet es toll, dass ich mich mit meiner Freundin über die Vorlieben und Krankheiten ihres Hundes unterhalten habe. Na klar sollte ich dann endlich auch einmal die Hundefutterwerbung zwischen Nachrichtenkanälen und Weltstars sehen! Dass ich selbst kein Haustier habe, macht ja nichts. Es könnte ja sein, dass ich meine sozialen Fähigkeiten im realen Leben ausbauen möchte; zum Beispiel indem ich für andere das Hundefutter kaufe. Okay, warum nicht. – TikTok war noch nie zwischen meinen Apps zu finden. Neuerdings kann ich als konsumierende Nutzerin dort allerdings auch mit einem Klick Bestellungen erledigen, habe ich gehört. Ich hinterlege ganz einfach für immer und ewig meine Bankdaten und schon bin ich als potenzielle Käuferin offiziell registriert. Das ist doch toll! Sieh dir ein Video an, das deine wertvolle Zeit stiehlt. Finde ein Objekt, das du auf jeden Fall schon immer brauchtest, um dein Leben noch wertvoller zu machen. Klicke „ok“, und schon bist du morgen um einige Euros auf deinem Konto leichter und du hast noch mehr zuhause herumstehen, was du später entsorgen darfst. Vergiss bitte dein Gehirn beim Einkauf auf TikTok & Co. Und komme nicht auf die Idee, dass all die Produkte, nicht nur deine finanziellen Ressourcen auffressen, sondern auch die Erde ausbeuten. – Wer sich traut, einen kritischen Blick auf sein eigenes Verhältnis zu Smartphones zu werfen, der findet erfreulicherweise nun endlich auch Gegenbewegungen, denen er sich – wenigstens erst einmal gedanklich – auch anschließen kann. „Smartphone Free Childhood“ hat sich mit mittlerweile über 200.000 Eltern in der UK gegründet und setzt sich für Smartphone freie Schulen und gegen die Nutzung von Social Media durch Kinder ein. Australien hat als ganzes Land entschieden, Social Media für unter 16-Jährige zu verbieten. Immer mehr Coaches, wie zum Beispiel Veit Lindau, erklären umfangreich, welchen Einfluss die Sozialen Medien auf unsere Psyche nehmen. Seine podcast-Folgen sind u.a. bei Spotify abrufbar. Sogar Umfragen unter den Jugendlichen ergaben den Wunsch, sie von Social Media zu befreien, weil die Gefahren wie u.a. verstörende Videos zu Gewalt und Pornografie, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Aussehen sowie Cybermobbing und soziale Ausgrenzung im offline-Leben zunehmen und immer offensichtlicher werden. Haben unsere Kinder nicht eine unbeschwerte Kindheit und ein friedliches Erwachsenwerden verdient?

Von Frieden ist übrigens auch nach Trumps Gesprächsoffensiven mit Israel und Russland noch lange nichts sehen. Die Ukraine hat Trumps Vorschläge, sich dem Frieden zuliebe seine Bodenschätze nehmen zu lassen, nicht angenommen, und Putin schickt weiterhin eifrig Drohnen in die Ukraine. Die Hamas im Gazastreifen sind ebenfalls noch nicht ins Nirvana verschwunden und Israel hat weiterhin einen Grund, Palästina endgültig dem Boden gleich zu machen. Dass immer wieder auch Frauen und Kinder in großer Zahl ums Leben gebracht werden, deutet stark darauf hin, dass Netanjahu kein Interesse daran hat, dass vom palästinensischen Volk irgendwann noch jemand die Chance auf ein friedliches Leben im Nahen Osten hat. In Deutschland hat man unterdessen entschieden, in den nächsten Jahren hunderte Milliarden Euros in die Verteidigung der Europäischen Union zu investieren. Verteidigung darf man meiner Ansicht nach hier mit Kriegsprovokation und Geldverschwendung gleichsetzen. Machen wir uns nichts vor: Echte Abschreckung kann heute nur durch Atombomben erfolgen. Doch sollte jemals ein Land eine dieser Bomben abwerfen, können wir unser Leben ohnehin abschließen. Richard David Precht hat es in seinem Podcast mit Markus Lanz wieder einmal auf den Punkt gebracht: „Dass die einen Krieg gegen die Nato anfangen – das ist ein Märchen!“ Deutschland sei ein schon lange nicht mehr ressourcenreiches Land, was gäbe es hier zu holen? Putin habe wohl eher ein Interesse an seiner ursprünglich russischen Bevölkerung und sie „zurückzuholen“.  – Die lebt nun mal heute auch in der Ukraine, in Georgien und anderen Ländern östlich der EU. Wer denkt, er könnte mit Aufrüstung dem eigentlichen Interesse Putins begegnen, der ist blind vor Aktiengewinnen. Merz, als ehemaliger BlackRock-Aufsichtsratschef, steckt mittendrin im Aktiengeschäft rundum die Rüstungsunternehmen. Wer es nicht weiß: BlackRock ist eines der größten Finanzunternehmen der Welt. Sie halten Billionen von US-Dollars in Banken, Immobilien, aber auch Unternehmen wie Rheinmetall. Wer glaubt, dass Merz nicht selbst seine Millionen im Aktiengeschäft gesichert hat, und denkt, er hätte seine Verbindungen zur Finanzlobby hinter sich gelassen, der muss schon besonders naiv und gutgläubig sein. Sollte Friedrich Merz demnächst seine Koalitionsverhandlungen mit der SPD erfolgreich abschließen, darf sich die deutsche Bevölkerung darauf vorbereiten, dass die Sozialabgaben steigen, Absicherungen wie Arbeitslosengeld, Familienzuschüsse und Renten zurückgefahren werden, die Wehrpflicht in einer Form (möglicherweise Wahlpflichtjahr) wieder eingeführt wird und demokratische Institutionen wie Umweltverbände, Verbraucherinteressen und soziale Vereine nicht oder deutlich weniger finanziell unterstützt werden. – Ich reiße mich nicht darum, hier die Botschafterin schlechter Nachrichten zu sein, aber so setzen sich die aktuellen Nachrichten bei Deutschlandfunk, Tagesschau und MDR zusammen. Man braucht nicht in der Blase der Verschwörungstheoretiker umherschwirren, um das zu hören und zu lesen, in welche Richtung Politik die nächsten Jahre betrieben werden soll. – Waren das die Wählerwünsche?